Quarantäne


Wie ist es in Quarantäne zu sein? Wie wäre das wohl vor 20 Jahren gewesen? Wie lange dauern die 10 Tage?

All diese Fragen habe ich mir nicht gestellt. Damit bin ich sicher nicht der einzige. Gezwungenermassen musste ich mich kurz vor Weihnachten damit auseinandersetzen. Es war an einem Morgen als ich mich bereit machte um zur Arbeit zu fahren, als meine Frau mir sagte, sie könne nichts mehr riechen. Ich hielt ihr einige Sachen vor die Nase: Handcreme, Schnupftabak und Tiegerbalsam. Sie roch es jedoch nicht. Also war mir klar alle vor Ort Termine abzusagen oder in ein Online Meeting zu ändern und im Homeoffice zu arbeiten.

Isolation

Das Testresultat erhielten wir binnen einer Stunde – positiv auf Covid-19 getestet. Ca 2 Stunden später meldete sich das Contact-Tracing. Die Anweisung war: Frau in Isolation, die Kinder und ich in Quarantäne. Um es vorne weg zu nehmen es war nicht einfach. Meine Frau musste sich im Schlafzimmer einschliessen während ich am Arbeiten war. Die beiden Kinder – 5 und 7 Jahre alt – setzte ich vor den Fernseher (auf die Schnelle fand ich keine bessere Lösung) und ich arbeitete in dieser Zeit. Beim Mittagessen wussten wir, dass es so nicht klappt. Ich überlegte mir halt die restlichen Tage bis zu Weihnachten die Arbeit niederzulegen, und die Kinder zu betreuen. Doch meine Frau hatte eine andere Idee. Sie zog eine Maske an und betreute am Nachmittag die Kinder auf Distanz. Das klappte ganz gut.

Die Nacht war nicht besonders erholsam. Meine Frau schlief in Isolation im Schlafzimmer und ich auf einer Matratze auf dem Boden im Büro.

«Lockerung»

Am nächsten Tag zogen wir das selbe Schema durch wie am Vortag. Schliesslich waren es noch 2 Arbeitstage bis zu den Weihnachtsferien. Dann hatte ich endlich Zeit um mich um die Familie zu kümmern. Nach der Mittagspause hatte ich selber plötzlich schwere Knochen und ein Kratzen im Hals. Also liess ich mich auch testen – positiv. Das war eine Erleichterung. Somit war uns klar, dass wir uns nicht beide vor unseren Kindern Isolieren können. Jedoch kehrte wieder ein bisschen Normalität ein.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken dass mein Respekt vor der Krankheit immer noch da ist. Sie ist hoch ansteckend und gefährlich. Glücklicherweise hatten wir nur sehr schwache Symptome.

Die Lockerung bestand darin, dass wir wieder einen normaleren Alltag leben durften – einfach in Quarantäne.

Zusammenhalt

Bereits als wir am ersten Tag in Quarantäne waren klingelte es an unserer Türe. Als wir sie öffneten stand ein Tannenbaum davor. Ich hörte noch meine Schwiegermutter von weiter unten im Treppenhaus sagen, wir bräuchten schliesslich etwas zu Tun. Was für eine tolle Überraschung! Die Kinder freuten sich auf das Schmücken. Wir hatten somit auch ein Stück Weihnachten zuhause. Schliesslich dauert unsere Quarantäne noch an. Wir Eltern müssen bis und mit 27. Dezember in Quarantäne bleiben – die Kinder noch 10 Tage länger. Freunde von unserem Dorf versorgten uns mit Einkäufen und boten allgemein Hilfe an. Es ist schön zu spüren, dass die Leute für einen da sind.

Auch erhielten wir überraschungsbesuche. Familienmitglieder lieferten Geschenke vor der Haustüre ab und wir konnten uns dann durch das Fenster auf ca 10m Distanz mit ihnen unterhalten.

Einsamkeit

Wir sind eine 4-Köpfige Familie. Da kann man nicht einsam sein, oder doch? Auf eine Art und weise schon. Man ist gemeinsam einsam. Unsere beiden Mädchen haben einen grossen Bewegungsdrang und sind es sich gewöhnt jeden Tag draussen zu sein. Mittlerweile sind sie Expertinnen im Ärgern geworden. Jede weiss ganz genau welche Schalter sie bei der anderen betätigen muss um sie in 0.2 Sekunden von «Null» zur Weissglut zu treiben. Als Eltern ist man hier gefordert stets das Mittelmass zwischen machen lassen (streiten muss auch gelernt sein) und einzugreifen, bevor es eskaliert. In diesen Situationen gehen wir normalerweise an die frische Luft. Das ist Balsam für die Seele. Aber die Situation nicht raus zu dürfen steigt somit der innere Stresspegel exponentiell an.

Plötzlich kochte ich mit Kopfhörern auf dem Kopf und lauter Musik von einem Streaming Anbieter. Auch setzte ich das eine oder andere Projekt für mich selber um, damit ich etwas Distanz von diesen Situationen gewinnen konnte. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich sensibel bin und ein dauernd hoher Lautstärkepegel meinen Stresspegel besonders in die Höhe treiben kann.

Meine Frau startete ein paar neue Bastel-Projekte mit den Kindern. Ich war eher für die Hausaufgaben zuständig. Auch begann ich einiges zu entrümpeln. Dabei entstand auch die Idee vom Produkt-Foto Beitrag.

Kontakt

Den Kontakt zur Familie hielten wir mit Skype. Es ist eine Lösung, aber nicht optimal. So gut die Idee auch ist, es hängt von den Endgeräten ab, die man Benutzt. Meine Familienmitglieder sind nicht wie ich im UC-Bereich Tätig. Was macht der Normal-Verbraucher? Er nimmt mit dem Handy Teil. Jedoch haben die meisten Handy’s eine absolut unbrauchbare Freisprechfunktion wenn es um die Integration in Skype oder andere Tools geht. Man wiederholt sich immer wieder, weil der andere einen nicht versteht und nach ca 30 Minuten ist die Lust am Skypen auch wieder vergangen.

Diese 10 Tage dauern also gefühlte 20 Tage an.

Andererseits wäre es vor 20 Jahren anders gewesen. Die Video-Telefonie war noch nicht etabliert. Man hätte wohl zum schnurgebundenen Telefon gegriffen welches normalerweise in einem Korridor stand und den Hörer in der Familie rumgereicht. Es wäre halt einfach anders gewesen. Auch mangels Internet wäre die Verlockung zum Surfen kleiner gewesen.